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Dressur zur Mündigkeit? – Aktualisierte Fassung des Aufrufs

21 Jul

13.07.2015: Für die Verwirklichung der UN Kinderrechts-Konvention statt Überwachen und Erniedrigen in den Grauzonen der Hilfen zur Erziehung!

Dass aus Heimkarrieren unter den Vorgaben des KJHG/SGB VIII Maßnahmen-Karrieren geworden sind, ist bekannt. Bekannt ist auch, dass am Ende beider Karrieren die geschlossene Unterbringung stand und steht. Sah es in den achtziger Jahren so aus, als würde die die geschlossene Unterbringung insgesamt abgeschafft und sah das neue KJHG dieses Instrument ausdrücklich nicht vor, so hat sich die Zahl der geschlossenen Unterbringungsplätze in den letzten 20 Jahren von ca. 125 auf knapp 400 mehr als verdreifacht. Nach der tendenziell positiven Evaluation der Einsperrung im Namen des Kindeswohls durch das DJI und der erst vorsichtigen (11. Kinder- und Jugendbericht 2001: 239 f.) und dann entschiedenen Befürwortung geschlossener Unterbringung als Hilfe zur Erziehung (14. Kinder- und Jugendbericht 2013: 349 f.) ist mit einem weiteren Anstieg der Platzzahlen sowie der öffentlichen Akzeptanz dieser Form der Ausschließung zu rechnen.

Gegen diese vorherrschende Tendenz halten wir fest:

Es gibt keine schwierigen Jugendliche, es gibt schwierige Entscheidungssituationen, in denen Fachkräfte sich nach einer in der Regel heftigen Eskalation gezwungen sehen, sich für eine geschlossene Unterbringung zu entscheiden, weil sie keine Alternativen sehen. An dieser hegemonialen Praxis ist also anzusetzen, will man die geschlossene Unterbringung wirklich abschaffen. Weiterlesen

Dressur zur Mündigkeit? – Aufruf zu bundesweiter Kampagne

21 Jul

Für die Verwirklichung der UN Kinderrechts-Konvention statt Überwachen und Erniedrigen in den Grauzonen der Hilfen zur Erziehung!

„Wenn das aber stimmt, gibt es Todsünden der Pädagogik, nämlich Arrangements und Umgangsformen, in denen Menschen nicht anerkannt werden, in denen sie nicht lernen können, sich selbst zu achten und zu mögen, in denen ihnen von anderen demütigend, stigmatisierend und strafend signalisiert wird, dass es kein Glück ist, dass sie auf dieser Welt sind, dass es besondere Herablassung braucht, damit sie überhaupt ausgehalten werden, dass sie sich Mühe geben müssen, damit sie irgendwo einen Platz in der Welt finden, die sie eigentlich nicht braucht.“ (Hans Thiersch 2014:24)

Manfred Kappeler zieht aus den Runden Tischen Heimerziehung in West und Ost folgendes Fazit: „Zuerst das Positive: der Kampf der ehemaligen Heimkinder und ihrer UnterstützerInnen hat sich gelohnt und lohnt sich immer noch, weil das jahrzehntelange Schweigen über die Gewalt, der Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung ausgesetzt waren, gebrochen werden konnte…..

Nun das Negative: Die Jugendhilfe hat sich im Ganzen ihrer Vergangenheitsschuld nicht gestellt. Das bedeutet auch, dass die Chance, aus der kritischen Selbstreflexion der ‚dunklen Seite‘ ihrer Geschichte für die Gegenwart und für die Zukunft zu lernen, weitgehend nicht genutzt hat. Die in vielen Bundesländern wieder praktizierte ‚geschlossene Unterbringung‘ von wieder als ‚verwahrlost und schwersterziehbar‘ definierten Kindern und Jugendlichen ist ein Beispiel dafür“ (2013:30).

Dass aus Heimkarrieren unter den Vorgaben des KJHG/SGB VIII Maßnahmen-Karrieren geworden sind, ist bekannt. Bekannt ist auch, dass am Ende beider Karrieren die geschlossene Unterbringung stand und steht. Sah es in den achtziger Jahren so aus, als würde die die geschlossene Unterbringung insgesamt abgeschafft und sah das neue KJHG dieses Instrument ausdrücklich nicht vor, so hat sich die Zahl der geschlossenen Unterbringungsplätze in den letzten 20 Jahren von ca. 125 auf knapp 400 mehr als verdreifacht. Nach der tendenziell positiven Evaluation dieser Einschließung im Namen des Kindeswohls durch das DJI und der erst vorsichtigen (11. KJB 2001:239f.) und dann entschiedenen Befürwortung geschlossener Unterbringung als Hilfe zur Erziehung (14. KJB 2013:349f.) ist mit einer weiteren Steigerung der Plätze sowie einer weiteren öffentlichen Akzeptanz dieser Ausschließung zu rechnen. Weiterlesen

LAG für Erziehungsberatung Hamburg fordert Ende der „unerträglichen Zustände in der Haasenburg“

24 Jun

Die Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung hat in einem Offenen Brief an die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration und an die jugendpolitischen SprecherInnen der Parteien der Hamburger Bürgerschaftschaft ebenfalls ihre Ablehnung der Praktiken der Haasenburg GmbH geäußert und „die sofortige Rückholung der in der Haasenburg untergebrachten Kinder und Jugendlichen, [einen] Stopp jeder weiteren Belegung mit Hamburger Minderjährigen, sowie die Entwicklung gewaltfreier pädagogischer Konzepte auch für Kinder mit hoch destruktiven Verhaltensweisen“ gefordert.

Wir dokumentieren den Brief hier: Landesgemeinschaft für Erziehungsberatung: Stellungnahme Haasenburg (Juni 2013).

„Aus den Augen, aus dem Sinn?“ – Diskussionsveranstaltung zur geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen (19.6. – 20 Uhr, Curio-Haus)

6 Jun

Mit der Schließung der Geschlossenen Unterbringung Feuerbergstraße (GUF) im Jahr 2008 wurde die Einsperrung von jungen Menschen als „Hilfe zur Erziehung“ auch aus Hamburg keineswegs gestoppt. Dass und wie dies immer noch vielfach praktiziert wird, ist zuletzt im Zuge der Presse-Berichterstattung über die Heime der Haasenburg GmbH bekannt und öffentlich problematisiert worden. (vgl. dazu die umfangreiche Berichterstattung in der taz von Dezember 2012 bis April 2013)

Vor diesem Hintergrund findet am 19. Juni ab 20 Uhr im Curio-Haus (Rothenbaumchaussee 15, 20148 Hamburg) eine Diskussionsveranstaltung zur Kritik der Geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen (in den Heimen der Haasenburg GmbH) statt, die sehr spannend zu werden verspricht und zu der wir herzlich einladen möchten.

Als Teilnehmer_innen auf dem Podium sind Prof. Michael Lindenberg (Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie Hamburg, Vorsitzender der Hamburger Aufsichtskommission, AK gegen GU), Prof. Tilman Lutz (Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie Hamburg, AK gegen GU), Dr. Dorothee Bittscheidt (Kriminologin und ehemalige Landesjugendamtsleiterin in Hamburg), Hermann Josef Ligthert (Rechtsanwalt), Kaija Kutter (taz­-Journalistin) und Ronald Prieß (Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraktion DIE LINKE) angekündigt.

Einleitende Worte wird Mehmet Yildiz (Kinder­- und Jugendpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft) sprechen. Moderation: Bela Rogalla (Vorstandsmitglied der Humanistischen Union LV Hamburg)
Die Veranstaltung wird von der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft in Kooperation mit der Humanistischen Union LV Hamburg ausgerichtet.

Die Einladung als PDF-Dokument kann hier abgerufen werden. Der Einladungstext findet sich im Folgenden:

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