Stellungnahme des AKS Hamburg zur Entscheidung, das 5. AKS-Bundestreffen 2017 nach Freiburg zu verlegen

24 Jan

„Mach dich schnell davon auf weißen Socken“!

Der AKS Dresden hat beim letzten Bundestreffen im November 2016 in München angeboten, das nächste Treffen in der sächsischen Hauptstadt zu organisieren. Doch wird es dort nicht stattfinden, sondern in Freiburg. Eine große Mehrheit lehnte nach lebhafter Diskussion ab, nach Dresden zu gehen. Zu diesem Ergebnis gelangten die Teilnehmer_innen des AKS-Bundestreffens 2016, nachdem eine Kollegin eingewandt hatte, dass sie sich aufgrund ihres Migrationshintergrunds in Dresden nicht sicher fühlen würde. Das ist eine Entwicklung, die auf mehreren Ebenen erschreckend und bedenkenswert erscheint. Wir hätten mit der Äußerung auch anders umgehen können. Eine Teilnehmerin benennt ihre Angst vor möglichen Gefahren in Dresden aufgrund ihres Migrationsvordergrundes. Wäre dieser Angst nicht vielmehr offensiv zu begegnen?

Wir dürfen Menschen in solchen Situationen nicht alleine lassen!

Wir können auf mehreren Ebenen handeln: AKSler_innen können sich durch Veranstaltungen in den Diskurs einschalten oder ganz pragmatisch vor Ort gemeinsam unterwegs sein. Sozialarbeiter_innen können und sollen sich nicht vor ihrer eigenen gesellschaftlichen und politischen Verantwortung im Tun „davon machen“. Was ist mit all den Menschen, die beständig gegen Pegida und ihre jeweiligen Ableger Aktionen organisieren, die auf die Straße gehen, eine andere Gesellschaft fordern? Was ist mit den Menschen, die bewusst in Ortschaften bleiben, die von Nazis und anderen volkstümelnden Zeitgenoss_innen dominiert werden? Sie lassen sich nicht vertreiben oder von Gewaltandrohungen und Brandstiftung einschüchtern. Und das AKS-Bundestreffen? Es wird ins anscheinend idyllischere, sicherere Freiburg verlagert. Fraglich bleibt, ob das auch für männlich konnotierte Menschen, denen ein (muslimischer) Migrationshintergrund attestiert wird, gilt. In sozialen Medien verbreitete sich schnell Hetze gegen eben diese, nachdem eine Studentin im Oktober 2016 vergewaltigt und getötet wurde.

Können wir das so hinnehmen?

Dresden und andere Orte – nicht nur im Osten Deutschlands – werden zunehmend als gefährliche Orte wahrgenommen und entwickeln sich zu Tabuzonen. Wir sollten darüber nachdenken, von wem diese Orte, und anscheinend sogar schon ganze Städte, als gefährlich wahrgenommen werden und ob sie und für wen sie es sind. Hinzu kommt nicht nur im oben benanntem Fall, dass dies von anderen – mutmaßlich nicht betroffenen Menschen – hingenommen und sogar noch befördert wird, in diesem Fall durch die Verlagerung des Bundestreffens nach Freiburg. 2 So gesehen erscheint der schnelle Ortswechsel als ein widerstandsloses Akzeptieren eben dieser Entwicklung. Viele von uns verstehen Kritische Soziale Arbeit als Kritik am neoliberalen Staat, welcher die „vielen guten“ Möglichkeiten der Sozialen Arbeit einschränkt oder sogar verhindert. Kritische Soziale Arbeit beinhaltet hingegen die eigene gesellschaftskritische Reflexion sowohl als „staatliche Regierungskunst“ als auch in Hinblick auf eigenes Handeln, Haltung und (Nicht-)Teilnahme an Aushandlungsprozessen – nicht nur mit Adressat_innen Sozialer Arbeit. Wir alle, jede und jeder einzelne, im Team oder in größerer Gruppe, wie auf dem AKS-Bundestreffen, gestalten durch unser Handeln das Soziale mit.

Der AKS Hamburg möchte mit diesem Papier zum Überdenken und Handeln auffordern und freut sich auf Rückmeldung, gerne über die Kommentarfunktion unserer Homepage oder bei Bedarf an: aks-hamburg@gmx.de.

 

stellungnahme-aks-hamburg-ort_bundestreffen_2017

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2 Antworten to “Stellungnahme des AKS Hamburg zur Entscheidung, das 5. AKS-Bundestreffen 2017 nach Freiburg zu verlegen”

  1. Jasmin Koppe 25. Januar 2017 um 04:54 #

    „Wir hätten mit der Äußerung auch anders umgehen können… Wäre dieser Angst nicht vielmehr offensiv zu begegnen?“ Ich finde, eine berechtigte Frage. Angst führt zu Handlungsunfähigkeit, wenn wir ihr nicht offensiv begegnen. Wichtig ist zunächst die Angst ernst zu nehmen. Der Selbstschutz hat höchste Priorität.

    Wie kann dem Bedürfnis nach Sicherheit Rechnung getragen werden? Diejenigen, die Angst haben, sollten formulieren, wie sie ein Gefühl von Sicherheit erhalten können. Sie sind es, die Angst haben und es sollte nicht über ihre Köpfe hinweg nach Lösungen gesucht werden. Es geht nicht um eine abstrakte, sondern um eine subjektiv wahrgenommene Gefahr. Die Betroffenen können nur selbst wissen, wie sie sich fühlen. Ich denke nicht, dass ein einmal festgelegtes Sicherheitskonzept diesem Anspruch gerecht wird. Vielmehr sollte jeweils die konkrete Gefahrensituation analysiert und der Prozess nach der Suche nach geeigneten Maßnahmen stets erneut durchlaufen werden.

  2. Rafael Alfaro (München) 17. April 2017 um 16:44 #

    Lieber AKS Hamburg,
    Danke für diese Stellungnahme, dafür, dass ihr dieses Thema nochmal aufgegriffen habt. Ich fand diese Debatte zum Abschluss des letzten Bundeskongresses deshalb etwas daneben – und außerordentlich nervig – , weil schon die beiden Tage davor über Möglichkeiten des nächsten Austragungsortes geredet wurde, wenn auch nur am Rande. Solch eine Diskussion hätte schon wesentlich früher angestoßen und dann auch abgeschlossen werden können. Zumindest besser, als so kurz vor Schluss der gesamten Veranstaltung. Zumal die Kollegin, die ihre persönlichen Gründe für eine Nicht-Teilnahme an einem Kongress in Dresden darlegte, selber auch betonte, kein Problem mit dem Austragungsort Dresden zu haben. Nur eben, dass sie da nicht hin möchte. Vor diesem Hintergrund fand ich die Entscheidung, Dresden so abzulehnen, sehr schade. Alles sprach für Dresden: die aufgrund einer vorher schon fest geplanten Veranstaltung ähnlicher Art wäre infrastrukturell schon alles im Lot gewesen, und die Freiburger, die letztendlich zum Austragungsort bestimmt wurden, hätten sich gern noch etwas mehr Zeit eingeräumt. Und nicht zuletzt hätte ich es sehr wichtig gefunden, dass der AKS eben nicht vor einer braunen Gefahr einknickt, so wie es die gegenwärtige gesellschaftliche Norm zu sein scheint.
    Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt, ob beim nächsten Bundeskongress solche Diskussionen vielleicht nicht erst kurz vor Schluss gewagt werden.

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