Thesen zur Diskussion

19 Jan

um die Reform des Kinder-und Jugendhilferechts (SGB VIII)

  • Zielgruppen des Kinder- und Jugendhilferechts sind erst in zweiter Linie die Kinder, Jugendlichen und deren Familien, in erster Linie sind es die staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure, die dieses Feld zu einer Kampfarena um Geld, Macht, Einfluss und patriarchale Hierarchisierung machen. Das Missverständnis, dass es umgekehrt sei, begleitet die fachlich-politische und wissenschaftliche Diskussion, seitdem es zentralstaatliche Regelungen für diesen Bereich gibt, also seit dem Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1922. Die sogenannte Novellierung zum JWG von 1961 stellte lediglich klar, dass dieses Feld in erster Linie durch religiöse und weltanschauliche Verbände reguliert wird. Das Subsidiaritätsprinzip setzte sich umfassend durch. Erst mit dem KJHG von 1989 gab es einen ersten Versuch, die AdressatInnen dieses Gesetzes mit eigenen Rechten auszustatten, mit subjektiv einklagbaren Ressourcen. Leider waren damit nicht die Kinder und Jugendlichen gemeint, sondern deren „Erziehungsberechtigte“.
  • Dieser „Geburtsfehler“ zeitigt bis heute schwerwiegende Folgen. Wie der 8.Jugendbericht (1990), der als Kommentar zum KJHG gelesen werden kann, deutlich macht, sollten mit diesem Gesetz Einrichtungen geschaffen werden, die es allen Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ein individuell und sozial gelingendes Leben zu führen. Für die Ausnahmesituation, dass das aufgrund von schwierigen Verhältnissen das nicht möglich sein sollte, wurde in §§ 27 ff. das Leistungsspektrum der Hilfen zur Erziehung geschaffen. Sie waren deutlich als Ausnahme konzipiert, wenn die anderen Einrichtungen nicht in der Lage waren, derartige Situationen zu bewältigen. Dieses Regel-Ausnahmeverhältnis ist heute durch die überwältigende Dominanz von Einzelfallhilfen und einer diese Dominanz noch stärkenden Konzeption von Kindeswohlgefährdung auf den Kopf gestellt worden. Es kommt drauf an, dieses Verhältnis – als ersten Schritt – wieder auf die Füße zu stellen.
  • Zusammen mit dem subjektorientierten Betreuungsrecht, den modernisierten gesetzlichen Regelungen zu Alter, Krankheit und Arbeitslosigkeit – also im Zusammenhang der Verabschiedung des historisch einmaligen zwölfteiligen Sozialgesetzbuches – entstand so etwas wie ein „Care-industrieller Komplex“. Vergleichbar der wechsel- und gegenseitigen Verschränkung und Durchdringung verbandlicher, staatlicher und kapitalistischer Interessen im Gefängnis- oder Rüstungs-industriellen Komplex geht es hier nicht etwa um eine „Versorgung-Verpflichtung“, sondern um Schaffung von Geldanlagemöglichkeiten des überreichlich am Markt herumirrenden und nach Anlage suchenden Kapitals.  Im beruflichen Alltag der Sozialen Arbeit wird dieser Zusammenhang häufig als Sparpolitik missdeutet – es geht um neoliberale Umverteilung, horizontal zwischen den verschiedenen Wirtschaftssektoren, vertikal – wie schon immer – von unten nach oben.
  • In der Praxis bildet sich dieser Zusammenhang in hochkomplexen, bürokratischen Apparaten, ausgestattet vor allem mit den Organisationsmitteln Geld und Recht. Im Mittelpunkt dieser Praxis steht der privatrechtliche Vertrag. Dieser hat zunehmend die staatlichen Zuschüsse und Alimentierungen ersetzt, von denen vor allem die Wohlfahrtsverbände Jahrzehnte lang profitierten (ohne dass es je gelang, eine wissenschaftliche Analyse dieses Bereiches zu realisieren). In diesem Sinne war das KJHG Vorreiter neoliberaler Modernisierung des um die sogenannten „freien Träger“ erweiterten Staatsapparates. Das komplexe „Tuning“ dieses Entgelt-Vertrags-Systems funktioniert als Markt-Simulation und steht im Mittelpunkt der jetzigen Reformdebatte. Der Staatsapparat als „Monopol-Kunde“ lässt die Anbieter zum Teil europaweit gegeneinander konkurrieren. Ein inklusives Kinder- und Jugendhilferecht bedeutet eine willkommene Investitionsanlage – staatlich finanziert und privat angeeignet – von jährlich mehreren Milliarden €.
  • Neben den Eigeninteressen der Fachbehörden und Wohlfahrtsverbände spielen in dieser Kampfarena die professionellen, beruflichen und Einkommens- und Aufstiegs-Interessen der beteiligten Berufsgruppen eine zentrale Rolle. Liest man unter diesem Aspekt die Kommentare der diese Gruppen repräsentierenden Vereine und Verbände, so tritt die Dominanz des Konkurrenzdenkens und der Selbstreferenz fast schamlos zutage. Am ehrlichsten ist da noch die Gewerkschaft ver.di, der es gelungen ist, den Preis der Ware Arbeitskraft in den letzten Jahren deutlich zu verteuern, d. h. die Lebenslagen vor allem der ErzieherInnen, aber auch der SozialarbeiterInnen zu verbessern. Wenn aber am Elend der Flüchtlinge die Minderwertigkeitsgefühle von Professionen kompensiert werden sollen, wird es peinlich – siehe z.B. das Berliner Positionspapier zur Sozialen Arbeit mit Geflüchteten der Alice-Salomon-Hochschule (2015).
  • Wenn die Beschäftigten im Care-industriellen Komplex nicht um ihre Systemrelevanz kämpfen würden, sondern um ihre System-Transformations-Relevanz (Vorschlag vom AKS Hamburg 2020), dann würden sie sich dafür einsetzen und – gegebenenfalls subversiv – das weiter entwickeln, was in den meisten Bereichen der offenen Kinder- und Jugendarbeit heute schon Praxis ist: der Vorschein einer demokratischen Kooperations- und Beteiligungskultur. Es lohnt sich, den Gesetzentwurf systematisch danach zu untersuchen, wo Ansätze eigenständiger Kinder- und Jugendrechte zu finden sind, auch wenn sie manchmal nur mit Fantasie zu entdecken sind. In diesem Sinne ist das Recht auf Beratung ohne Beteiligung der Erziehungsberechtigten für sich genommen kein wirklicher Schritt, aber angesichts der dominierenden Tradition von institutionalisierter Zwangserziehung ist es der Zipfel eines Wechsels zur Subjektperspektive. Vor diesem Hintergrund erscheint der neu eingeführte § 4a wie von einem anderen Stern: Selbstorganisierte Zusammenhänge von jungen Menschen werden nicht nur positiv bewertet, sondern sollen auch materiell ausgestattet werden bzw. von den etablierten Trägern unterstützt werden. Vielleicht bekommt die Diskussion um sozial-räumliche Orientierung nun doch noch eine interessante Wendung.
  • Auf der Basis von Inklusion und Ganztagsschule könnte ungefähr folgende Option dieses Sektors des Care-industriellen Komplexes diskutiert werden: Perspektive ist ein demokratisches, d. h. ein Teilhabe- und Teilnahme-orientiertes Kinder- und Jugendrecht, in dem „Hilfe“ wesentlich dadurch aufgehoben ist, dass die Akteure sich wechselseitig unterstützen, wobei Akteure in diesem Feld natürlich auch die Professionellen sind. Solange dieses Feld durch ein zwei bis fünfgliedriges selektives Schulsystem dominiert wird, muss das in Ansätzen bereits existierende Gegenmachtmodell systematisch gestärkt werden. Die systemische Machtlosigkeit aller Beteiligten, die durch das Selektionssystem der „Leistungsnormalverteilungs-kurve“ immer wieder reproduziert wird, kann nur durch Zeiten und Orte verlässlicher Begegnungen in die Schranken verwiesen werden (solange es nicht abgeschafft werden kann). Dieser nicht-selektive soziale Raum müsste Schritt für Schritt dem selektiven gleichgestellt werden, indem zum Beispiel der Lebenssituation unterschiedlicher Alters- und Geschlechtsgruppen angemessene Tagesrythmen entwickelt werden, die von den Freiräumen der Schülerinnen und Schüler her gedacht werden.
  • Konkret könnte das so aussehen, dass die Schulsozialarbeit nicht mehr ein Anhängsel der Schulleitung ist, sondern dass die die Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter eines Quartiers/eines Stadtteils schulunabhängig zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Familienbildung und -förderung und der Jugendsozialarbeit einen selbstverwalteten Sozialraum gestalten, dem ein eigenständiges Budget zugeordnet ist, das wiederum – wie in einer Genossenschaft – als Anteilsscheine jedem Mitglied dieses Sozialraums gutgeschrieben wird. Was bei der Erhaltung und dem Bau von Schulgebäuden als aus dem Haushalt ausgelagertes Budget funktioniert, warum soll das hier nicht möglich sein? Es wäre zugleich auch ein Ansatz einer direkten Demokratie, der einen Möglichkeitsraum über den erstarrten und ritualisierten Parlamentarismus hinaus bilden könnte.
  • „Kommunale Ressourcenfonds“ (KoReF), demokratisch gestaltet und an artikulierten Bedürfnissen orientiert, könnten sich auf diese Weise zu einer praktikablen Kultur des Aufwachsens entwickeln, in der die institutionellen Zwänge durch die Vielfalt formeller, informeller und non-formaler Orte gemeinsamer Aufgabenbewältigung von jungen Menschen und junggebliebenen Professionellen überflüssig werden.

Ein Zwischenruf

13 Jun

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Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit Hamburg

Systemrelevanz? Nein! Systemtransformationsrelevant!

In der „Corona-Krise“ ist verstärkt die Rede von „systemrelevanten“ Berufen und Tätigkeiten. Nicht wenige Träger der Sozialen Arbeit nehmen für sich in Anspruch, „systemrelevant“ zu sein. Es ist verständlich, dass die eigene Bedeutung betont wird, dabei stellt sich jedoch die Frage, wofür Bedeutung erlangt werden will: was ist mit der „Systemrelevanz“ gemeint? Relevant wofür? Um die „Feuerwehr“ zu sein (nicht nur) in der Krise – und dafür die gebührende (materielle und imma­terielle) Anerkennung zu bekommen?

Systemrelevant bedeutet wörtlich, relevant für das System zu sein, aktuell also für den neoliberalen Kapitalismus. Dessen Ziel, die Erzeugung und private Aneignung von Mehrwert, hat Konsequenzen für alle gesellschaftliche Bereiche. Die Abhängigkeit der Mehrheit der Menschen, zur Sicherung ih­rer Existenz durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft am ökonomischen Verwertungsprozess teilzuneh­men, hat entsprechenden Einfluss auf die sozialarbeiterischen Handlungsstrategien – bewusst wie unbewusst.

Die „Corona-Krise“ macht nun zugespitzt deutlich, dass diese Art der gesellschaftlichen Reproduk­tion notwendigerweise die Existenzgrundlage für immer mehr Menschen immer prekärer macht. Das wird auch so weitergehen, wenn Arbeit als Lohnarbeit hauptsächlich als Ware genutzt wird, um den gesellschaftlichen Akkumulationsprozess zu befeuern. Soziale Arbeit als Infrastruktur-Angebot, das auf die Unterstützung und Erhaltung aller gesellschaftlich wichtigen Kompetenzen und Tätig­keiten zielt – Pflege und Kindererziehung, aber auch künstlerische, sportliche und kulturelle Tätig­keiten –, wird in und nach der Krise beweisen müssen, dass sie nicht zu weiteren Spaltungen bei­trägt, sondern zu deren Überwindung.

Die konstruierte „Corona-Gemeinschaft“, die gegenwärtig von zig Werbeplakaten, in Radiosendun­gen und Zeitungsartikeln postuliert wird („Wir gegen Corona“), verschleiert die soziale Ungleichheit, die in dieser Krise weiter verschärft wird. Zwar macht der Virus keinen Unterschied zwischen arm und reich, seine Konsequenzen und vor allem die der Maßnahmen, die gegen seine Verbreitung ergriffen wurden und werden, schon! Es sind nicht alle gleichermaßen von Arbeitslosigkeit, beengten Wohn­verhältnissen, Isolation etc. betroffen. Und auch die in der kapitalistischen „Normalität“ bestehen­den Existenzängste und die durch entfremdete Arbeitsbedingungen erworbenen körperlichen und psychischen Schäden spielen für die Entwicklung und Erhaltung von Gesundheit eine große Rolle. Und diese sind eben nicht gleich verteilt.

Mit dem Begriff der Systemrelevanz ist die Frage aufgeworfen: Was ist gesellschaftlich relevante Arbeit? Die gegenwärtige Krise betrifft alle und wir als in der Sozialen Arbeit Tätigen sollten es darauf anlegen, progressiver aus ihr „rauszugehen“ als wir „reingegangen“ sind. Deshalb: system-überwindungs-relevant statt system-erhaltungs-relevant.  Wir schlagen daher vor, den präziseren Begriff der „Systemtransformationsrelevanz“ als Maßstab für die grundlegende Veränderung aller gesellschaftlichen Sphären in Richtung auf Kooperation und Emanzipation zu nehmen.

Klar ist, dass der Mensch eine gesellschaftliche Infrastruktur, kollektive und öffentliche Güter benö­tigt, um ein „gutes Leben“ führen zu können. Diese Infrastruktur wird in diesem System jedoch durch Ökonomisierung bzw. „Verbetriebswirtschaftlichung“ zur Ware gemacht, so dass sie dem neoliberal geprägten Verwertungsprozess besser dienen kann. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die erkennen, wie krisenhaft es ist, wenn nicht die Bedürfnisbefriedigung der Menschen im Mittelpunkt steht, sondern die Mehrwertschöpfung (in der öffentlichen Daseinsvorsorge wie in der Wirtschaft). So gibt es immer größer werdende internationale Bewegungen gegen Privatisierung und die Ökonomisierung des Sozialen. Diesen Auseinandersetzungen sollten wir uns verstärkt in Parteien, in Gewerkschaften und in sozialen Bewegungen anschließen und auch in unserem berufli­chen Handeln die Perspektive der Systemtransformation als Handlungsorientierung immer im Blick behalten.

Gerade im sozialarbeiterischen Bereich können wir uns anstelle der individualisierenden Defizitori­entierung auf eine emanzipatorische und kooperative Bildung beziehen, die als Grundlage für die Entwicklung von Systemtransformationsrelevanz mit inhaltlichem Leben gefüllt werden kann und muss. Es gibt ein Bildungsverständnis, das sich im Konflikt mit Wettbewerbs- und Leistungsdruck entwickelt hat und dessen Ursprung handlungsfähige Subjekte sind. Daran sollten wir uns in diesen Zeiten erinnern und anknüpfen.

Es gilt, für eine progressive Praxis eine Alternative zur eigenen Systemrelevanz zu entwickeln. Da­für braucht es in neuer Qualität geöffnete Institutionen und Einrichtungen, in denen sich die Men­schen im Sozialraum begegnen, sie sich inhaltlich mit der aktuellen Situation auseinandersetzen, die Verhältnisse kritisch reflektieren und gemeinsame Lösungen entwickeln. Das setzt eine aktive, kon­struktive Teilhabe und eine gewisse Konfliktbereitschaft voraus. Damit es diese Einrichtungen ge­ben kann, braucht es wiederum kritische und solidarische Mitarbeiter-Teams, die sich organisieren. Und wenn nötig die aktuell geltenden Regeln aus guten Gründen brechen und alternative Hand­lungsweisen erfinden, um in den veränderten Situationen Lösungen zu entwickeln, die für möglichst alle Beteiligten eine echte Chance und Neuorientierung ermöglichen. Wir sollten uns wieder stärker daran orientieren, was unsere Nutzerinnen und Nutzer brauchen und wollen. Es geht also um gemeinsame Aufgabenbewältigung.

Seien wir systemtransformationsrelevant und lasst uns die Krise nutzen, um alternative Ideen und Praxen zu entwickeln!

 

Buchvorstellung:

28 Jan

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Der Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Hamburg und
das Aktionsbündnis gegen geschlossene Unterbringung laden ein:

Dressur zur Mündigkeit?
Über die Verletzung von Kinderrechten
in der Heimerziehung

Im Herbst 2018 fand in Hamburg das Tribunal über die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung statt. Dort haben Vertreter:innen aus Wissenschaft, Gewerkschaft, Praxis und Betroffene deutlich gemacht: Auch gegenwärtig werden Disziplinierungs- und Degradierungstechniken in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe angewandt.

Diese sind keine Ausnahmefälle, sondern ein Hinweis auf allgemeine Entwicklungstendenzen, welche eine wachsende Kultur der Kontrolle ebenso nachvollziehen, wie die Normalisierungserwartung im aktivierenden Staat. Zugespitzt bildet sich dies in behavioristisch geprägten Methodiken der Verhaltensmodifikation ab, z.B. die des sogenannten „Stufenvollzuges“ oder „Phasenmodells“. Die jungen Menschen werden hier zu Objekten der Erziehung gemacht und müssen vermeintlich erst „befähigt“ werden, um das Recht auf Teilhabe in der Gesellschaft zu erlangen: Voraussetzung ist die konforme Teilnahme innerhalb des Sondersystems.
Die wachsende Fokussierung auf individuelle Defizite und damit verbundene Verantwortungszuschreibung auf das Individuum drängen in den Hintergrund, was für eine kritische Soziale Arbeit konstituierend ist: der Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse und die Lebenswelten der Menschen darin.

Im Rahmen der Vorstellung des Ende 2019 erschienenen Sammelbands zum Tribunal wollen wir daher mit einigen der Autor:innen diskutieren:

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen und sozialpolitischen Programmatiken befördern das Revival autoritärer Tendenzen und Ansätze in der Kinder- und Jugendhilfe? Wie können wir verhaltensmodifizierende Ansätze überwinden? Welche Praxis stellen wir diesen entgegen? 

Dabei werden auch Ausschnitte aus der  filmischen Dokumentation des Tribunals gezeigt.

Dienstag, den 11.02.20
Einlass: 18:00 Uhr, Beginn: 18:30 Uhr, Ende: 21:00 Uhr
Lichtmess-Kino, Gaußstraße 25, 22765 Hamburg

  1. Begrüßung und Einleitung
  • Herausgeber:innen des Buches
  1. Filmausschnitte aus dem Tribunal

Pause -15 Minuten

  1. Podiums- Gespräch & Statements:
  • Tilman Lutz:
    Fach- und sozialpolitische Kontexte
  • Fabian Fritz:
    Ordnungspolitik und Soziale Arbeit.
    Zum Verhältnis stationärer Wohngruppen
    der Heimerziehung und der Polizei
  • weitere Autor:innen sind angefragt
  1. Diskussion & gemeinsamer Ausklang
    (Vor Ort gibt es die Möglichkeit an einer Bar Getränke zu erwerben)

 

 

 

Hamburg trau sich was – Wahlprüfsteine zu Hartz IV in Hamburg

16 Jan

Bürgerschaftswahl am 23. Februar 2020

Hamburg trau sich was – Wahlprüfsteine zu Hartz IV in Hamburg

Fragen des Hamburger Netzwerks SGB II Menschen-Würde-Rechte und der AG Soziales der Sozialpolitischen Opposition und Antworten von SPD, GRÜNE, CDU, LINKE, FDP

Die Kampagne „Hamburg traut sich was“ hat den Parteien der Hamburger Bürgerschaft einige Fragen zum Thema Arbeitslosengeld II / Hartz IV gestellt.  Sie setzen sich dafür ein, dass Hamburg alle Möglichkeiten nutzt, die Situation für Menschen zu verbessern, die auf Leistungen nach dem SGB II, SGB XII oder Asylbewerberleistungsgesetz angewiesen sind.
Sie haben die Antworten hier für Sie zusammengestellt.
www.hamburgtrautsichwas.de

HH traut sich was Wahlprüsteine und Antworten-1

Bucherscheinung

12 Dez

Dressur zur Mündigkeit? Über die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung

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Offener Brief von Prof. Dr. Sibylle Peters an den Innensenator Andy Grote

19 Mai

Wir möchten auf folgenden Brief hinweisen – die vollständige Version befindet sich in dem PDF Dokument:
Zerstörung des African Terminals durch Polizeimaßnahmen gegen afrikanische Migranten

Betreff:
Zerstörung des African Terminals
durch Polizeimaßnahmen gegen afrikanische Migranten

Hamburg, 23.4.2019
Sehr geehrter Herr Innensenator, liebe Hamburgerinnen, im Februar hat der African Terminal, eine Gruppe aus Hamburger Kulturschaffenden und Männern aus Westafrika, die als Flüchtlinge nach Hamburg gekommen sind, die beiliegende Erklärung gegen rassistische Polizeikontrollen veröffentlicht, die von über 900 Hamburgerinnen unterschrieben worden ist – siehe Change.org „Black Lives Matter St. Pauli“.

Der African Terminal ist 2017 aus dem friedlichen Zusammenleben von Alt- und Neu- Hamburger*innen auf St.Pauli entstanden. Mittlerweile hat die polizeiliche Taskforce mit ihren gezielten Kontrollen afrikanischer Migranten diesen Frieden, und nun auch den African Terminal und seine zweijährige Arbeit, zerstört und beendet. Im Augenblick sitzt ein Mitglied der Gruppe in Hamburg in Haft, zahlreiche andere Mitglieder sehen für sich in Deutschland keine Perspektive mehr und suchen nach anderen Wegen.

In der Erklärung von Februar 2019 nimmt der African Terminal zur Situation erschöpfend Stellung.

[…] siehe link zu Dokument oben!

Dokumente zum Tribunal am 30.10.18

22 Jan

Am 30.10.2018 fand im Rauhen Haus das unten stehende TRIBUNAL „Dressur zur Mündigkeit?“ –  Über die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland statt.

Hier findet ihr einige Dokumente der Veranstaltung, sowie erste Konsequenzen:

„Dressur zur Mündigkeit?“ – Tribunal über die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland – 30. Oktober 2018 – 14-21 Uhr im Wichernsaal des Rauhen Hauses

21 Okt

Download: Flyer und Plakat

Es ist keineswegs so, dass mit dem Abschluss der beiden Runden Tische zur  Heimerziehung in West und Ost alles zum Besten stünde – im Gegenteil: trotz unbestreitbarer Verbesserungen gibt es eine zunehmende Tendenz der Verletzung von Kinderrechten.

Besonders deutlich wird diese Verletzung durch eine bislang im wissenschaftlichen und fachpolitischen Diskurs kaum beachtete, in der Praxis aber mittlerweile vorherrschende Technologie: die des „Stufen-Vollzuges“ oder des „Phasen-Modells“. Dieses Konzept – inspiriert von den Bootcamps in den USA und behavioristischen Dressurexperimenten – fußt auf entwürdigenden und stigmatisierenden Degradierungs-Zeremonien, auch wenn findige Professionelle für deren Bezeichnung ständig neue Vokabeln erfinden.

Derartige Stufenprogramme widersprechen grundlegenden Menschenrechten und sind nicht mit der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen zu vereinbaren (BMFSJ 2007). Sie verstoßen gegen den gesamten Tenor der Konvention, vor allem aber gegen Art. 2: Achtung der Kinderrechte; Diskriminierungsverbot, gegen Art. 9: Trennung von den Eltern; persönlicher Umgang, sowie gegen Art. 12, in dem ausdrücklich festgehalten wird, dass die Willensäußerungen des Kindes „angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife“ zu berücksichtigen sind.

Da diese Konvention in Deutschland unmittelbare Gültigkeit hat, müssen Einrichtungen, die mit derartigen Degradierungszeremonien arbeiten, abgeschafft oder zumindest gezwungen werden, ihre Arbeitsweisen fundamental zu verändern. Diese Forderung ist allerdings durchaus umstritten. Die Befürworter von pädagogisch legitimiertem Zwang und therapeutisch begründeter Einschließung sehen darin vielmehr notwendige Interventionen, um gefährdete Kinder und Jugendliche vor ihrem eigenen, risikoreichen Verhalten zu schützen.

Diese Kontroverse soll in Form eines Tribunals zugespitzt werden. Im Mittelpunkt des Tribunals steht eine Jury, die mit in der Sache kompetenten Personen besetzt ist. Sie befragt Zeuginnen und Zeugen und hört Sachverständige an.

Das Tribunal findet statt am 30. Oktober 2018 von 14:00 bis 21:00 Uhr im Wichernsaal des Rauhen Hauses, Horner Weg 180, 22111 Hamburg (nahe der gleichnamigen U-Bahn-Station) Weiterlesen

Investitionen für das Allgemeinwohl statt Sozialabbau – Warum Schuldenbremse und Austeritätspolitik überwunden gehören

21 Okt

Ob auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene: Auf nahezu alle Forderungen nach Investitionen in eine verbesserte Ausstattung von Bildungs-, sozialen oder kulturellen Einrichtungen kommt von Seiten der Verantwortlichen seit geraumer Zeit die Antwort, es sei kein Geld da und man müsse die Schuldenbremse einhalten. So wurde 2012 eine Kürzung des jährlichen Etats der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) um 3,5 Millionen Euro vom Hamburger Sozialsenator mit Verweis auf das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts vorgenommen. Aber nicht nur der Bereich der OKJA unterlag in den letzten Jahren in Hamburg einer kontinuierlichen Kürzung: 0,88% waren als Maximum an Budgetsteigerung allen Bereichen verordnet – bei derzeit 2% Inflation sowie Tarifsteigerungen real eine verschärfte Unterfinanzierung.
Auch wenn im aktuellen Haushaltsentwurf Mehrausgaben vorgesehen sind, ändern weder rot-grüner Hamburger Senat noch Bundesregierung ihre Unterwerfung unter das selbstauferlegte Ziel der Haushaltskonsolidierung bzw. der Schuldenbremse, die 2009 ins Grundgesetz und 2012 in die Hamburgische Verfassung aufgenommen wurde. Doch diese Austeritätspolitik ist nachhaltig schädlich und gehört überwunden. Weiterlesen

Fachtag „Gemeinsam Denken! Gemeinsam Handeln!“ (6. April, 12 – 17:30 Uhr im Nochtspeicher)

27 Mrz

Wir möchten auf den Fachtag unter dem Motto „Gemeinsam Denken! Gemeinsam Handeln!“ hinweisen, der am 6.4.2018 von 12 – 17:30 Uhr im Nochtspeicher stattfinden wird. Er wird von MOMO Hamburg anlässlich ihres zweijährigen Bestehens in Kooperation mit der BASFI und dem PARITÄTISCHEN HAMBURG organisiert.

Aus dem Einladungstext:

MOMO Hamburg beschäftigt sich seit zwei Jahren rund um das Thema junge Menschen in prekären Lebenssituationen. Doch wie sind sie in diese Situation geraten? Was hat gefehlt?
Genau das möchten wir am 06.04.2018 von 12-17:30 Uhr im Nochtspeicher (Bernhard- Nocht- Str. 69a) mit Ihnen herausfinden. Wir möchten in Form von Fischbowls mit jungen Menschen, Sozialarbeiter*innen, Behördenmitarbeiter*innen und natürlich mit uns herausfinden, welche Konflikte bestehen und was zu einer Verbesserung der Jugendhilfe beitragen könnte. Wir denken, dass nur der Austausch mit allen beteiligten eine Veränderung erzeugen kann.

Wir laden Sie herzlich ein, uns bei diesem Weg zu begleiten!

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